Evangelische Kirche Neulußheim

Kirche in der Nähe der Menschen

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Samstag, 04. September 2010
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Grußwort des Pfarrers

Evang. Kirche   Neulussheim

Sind Sie immer mit Gott und der Welt einverstanden?

Mal ehrlich: nicht immer, oder?  Mehr Fragen als Antworten haben wir doch, was Gott, sein Handeln, besonders sein Unterlassen betrifft.  Manchmal wünschten wir doch, dass er die Welt anders einrichten sollte.  Klare Verhältnisse soll Gott schaffen, die Guten belohnen, die Bösen bestrafen, Leid verhindern und endlich seinen Willen durchsetzen  Es ist schwer, an einen guten Gott zu glauben, bei allem, was unsere Augen Tag für Tag sehen.  

Auch Paulus scheint das zu wissen:  „Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Jesus Christus ergriffen bin“ (Phil 3,13).  Er weiß, dass er vieles im Leben nicht versteht, und schon gar nicht weiß, warum Gott keine klaren Verhältnisse schafft, warum Gott so zögerlich ist in der Frage von Gerechtigkeit und Leid bei den Menschen.  Aber Paulus fühlt sich angesprochen vom auferstandenen Jesus.  Durch ihn erfährt er, dass die Liebe Gottes auch vor dem Tod nicht kapitulieren muss.  Gottes Liebe zu den Menschen zeigt sich nicht nur in dem Leben Jesu, sondern auch darin, dass Gott sich zu dem leidenden Menschen Jesus bekennt, der zweifelt und beinahe verzweifelt, und ihm eine Zukunft eröffnet hat über den Tod hinaus.  Paulus erlebt am eigenen Leib, dass ihm Christus in der Stunde seiner größten Niederlage und seines Leidens nahe war wie kein anderer.  Paulus weiß von da an:  Das Besondere der Liebe Gottes ist, dass sie auch im Leid, im scheinbaren Scheitern, ja sogar im Tod zu finden ist.

Ich bin „gerecht allein aus Glauben“, so hat es Luther gesagt.  Es genügt, wenn ich anerkenne, dass Gott mich in seiner Treue bewahrt.  Und dass ich Christus mein Leben anvertrauen darf und mit ihm aus dem Tod immer wieder in das neue Leben hineingenommen werde.  Große theologische Worte sind das.  Sie bedeuten: Ich gestehe mir Zeit zu.  Zeit zum Lernen, Zeit zum Reifen, Zeit zum Begreifen. Zeit einfach zum Durchatmen.  

Und während ich durchatme und mein Tempo verringere, sehe ich die Dinge und Menschen neben mir plötzlich mit anderen Augen, nehme genauer wahr, wo Gott im Leben mitgeht und mitträgt.

Pfarrer Uwe Sulger